Links überspringen

Die Geschichte des Weines in Stuttgart

Der Weinbau in Stuttgart besitzt eine weitreichende Geschichte. Diese lässt sich bis ins 13. Jahrhundert zurück verfolgen.
Die Recherche über die Geschichte des städtischen Weingutes wird von Frau Dr. Krämer durchgeführt. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung war eine genauere Recherche nicht möglich. Die Texte werden aktualisiert, sobald neue Erkenntnisse recherchiert werden.

Weingut der Landeshauptstadt Stuttgart | Geschichte

Bild: Landeshauptstadt Stuttgart

1250
Erste Erwähnung des Stuttgarter Weinbaus

Der erste namentlich genannte Bürger Stuttgarts war ein Weingärtner. Er hieß Buzze und bewirtschaftete 1250 laut einer Urkunde Weinberge in der Lage „Steinihus“ im Stuttgarter Westen, die dem Dominikanerinnenkloster Sirnau bei Esslingen gehörten. Vermutlich wird seit dem 11. Jahrhundert Weinbau in Stuttgart betrieben.

14. Jh.
Weinberge auf allen geeignete Hängen des Talkessels

Bereits Mitte des 14. Jahrhunderts waren alle Hänge im Stuttgarter Talkessel, die sich für den Weinbau eigneten, mit Reben bestockt. Über Jahrhunderte war der Weinbau die Haupterwerbsquelle der Stuttgarter.

16. Jh.
Die Hochzeit des Weinbaus

Ende des 16. Jahrhunderts erreichte die Rebfläche im Stadtgebiet Stuttgart mit etwa 1250 Hektar ihre größte Ausdehnung.

19. Jh.
Die Stadt betreibt eine eigene Kelter

Die Stadt Stuttgart betrieb im 19. Jahrhundert eine eigene Kelter. Sie stand zunächst in der Seidenstraße und wurde 1874 an den Botnanger Weg verlegt. In dieser städtischen Einrichtung konnten die weniger vermögenden Weingärtner, die keine eigene Kelter besaßen, ihre Trauben pressen.

19. Jh.
Die Rebfläche verkleinert sich

Die fortschreitende Ausbreitung der Stadt Stuttgart macht sich auch in der Rebfläche bemerkbar. Betrug die innerstädtische Rebfläche 1812 noch 750 Hektar, schrumpfte sie innerhalb eines Jahrhunderts um mehr als die Hälfte auf 350 Hektar im Jahr 1900.

19. Jh.
Reblausplage in Europa

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Reblaus nach Europa eingeschleppt. Einzelne Reblausherde wurden auch aus Stuttgart gemeldet, zu großflächigen Rodungen kam es jedoch nicht. Eine große Herausforderung stellte hingegen fortan der Kampf gegen den falschen Mehltau, die Reben-Peronospora, dar.

1892
Die Anfänge des städtischen Weinguts

Nachdem 1892 in Hamburg eine Cholera-Epidemie ausgebrochen war, kaufte die Stadt vorsorglich Rebflächen oberhalb des Bürgerhospitals im Gewann Hohe Prag (heute Rebhalde), um dort gegebenenfalls ein Isolierspital zu errichten. Es kam nicht zum Bau und die Rebflächen wurden an Weingärtner verpachtet.

1920er Jahre
Die ersten selbst ausgebauten Flaschenweine im städtischen Ratskeller

Der städtische Eigenbetrieb umfasst zu dieser Zeit knapp neun Hektar. Ein städtischer Küfermeister besorgt den Ausbau der Weine, die im städtischen Ratskeller ausgeschenkt werden. Die selbstgezogenen Flaschenweine, so der Gemeinderat, „seien weit über die Grenzen unseres Schwabenlandes bekannt.“

1940er Jahre
Städtisches Lehr- und Versuchsgut für Wein- und Obstbau

Das städtische Weingut wird Lehr-  und Versuchsgut für Wein- und Obstbau und ist dem Gartenamt eingegliedert. Das Weingut unterhält zudem einen Rebveredlungsbetrieb in Mühlhausen am Neckar, der die Aufgabe hat, Weingärtner mit reblausresistenten Pfropfreben zu versorgen.

1949
Die Kelter in der Rommelstraße

Als Ersatz für die kriegszerstörte Kelter am Mombach legte die Stadt im April 1949 den Grundstein für eine neue Kelter an der Rommelstraße in Cannstatt. Das Gebäude dient seither für den Ausbau und die Abfüllung der Weine des städtischen Weinguts.

1950
Die Rebfläche des städtischen Weinguts wächst

Das städtische Weingut bewirtschaftet 11 Hektar Rebfläche, davon sind knapp 8 Hektar im Ertrag. Sie verteilen sich auf rund 5 Hektar in der Cannstatter Halde und im Zuckerle, 2 Hektar in der Mönchhalde und 0,5 Hektar im Dietbachhof in Untertürkheim.

1956
Sibirischer Februar

Winterfrost schädigt im „sibirischen Februar“ 1956 mit ungewöhnlich tiefen Temperaturen zahlreiche Rebstöcke in Mitteleuropa. In Zusammenarbeit mit der landwirtschaftlichen Hochschule in Hohenheim führt das städtische Weingut Frostschutzversuche in seinen Weinbergen im Cannstatter Zuckerle durch. Bei dem Versuch werden die neuartigen Ölheizöfen „Kontra-Frost“ der Großbottwarer Firma Stahl getestet.

1950er- 1960er
Mehr Rebflächen kommen hinzu

Das städtische Weingut erweitert seine Rebfläche. Bereits 1950 werden Reben auf das städtische Grundstück im Gewann obere Afternhalde unterhalb des Wasserwerks am Hasenberg gesetzt. Weitere Rebflächen sollten zugekauft werden. Oberbürgermeister Arnulf Klett war viel daran gelegen, das Weingut zu erweitern, nicht zuletzt, weil Heilbronn Stuttgart den Rang als größte Weinbaugemeinde abzulaufen drohte.

1971
Die alten Lagennamen verschwinden

Seit der neuen Weinbergslagenverordnung von 1971 dürfen nur noch Einzellagen mit mindestens 5 Hektar in die Weinbergrolle eingetragen sein. Weine von kleineren Halden wie dem Hasenberg dürfen nun nicht mehr mit dem Lagennamen bezeichnet werden. Alle innerstädtischen Lagen werden ab nun unter der Einzellage Stuttgarter Mönchhalde vermarktet. Dies führte zu Unmut bei der Stammkundschaft, die sich mit dem Wein aus den Lagen der jeweiligen Nachbarschaft stark identifizierte.

1970- 1972
Die innerstädtischen Lagen als Aushängeschild

Im Gemeinderat wurde immer wieder über die Auflösung oder die Verpachtung des Weinguts aufgrund fehlender Rentabilität diskutiert. 1972 gelang es, die Fachmesse Intervitis und den Deutschen Weinbaukongress nach Stuttgart zu holen. Der Wein aus dem Weingut der Stadt Stuttgart habe viel zum guten Ruf des schwäbischen Weins beigetragen, so die Messebetreiber. Um seine Stellung als Messestadt für die wichtigste europäische Weinbaumesse zu festigen, erschien es klug, die innerstädtischen Lagen als Aushängeschild in städtischer Hand zu belassen.

1972
Ein Starkgewitter verwüstet die Reben

Ein schwerer Hagel am 15. August kostet in Stuttgart nicht nur sechs Menschenleben, auch die Weinberge werden massiv geschädigt. Besonders schwer traf es den Stuttgarter Süden. Die Rebflächen am Hasenberg und an der Karlshöhe wurden zerstört und mussten ausgestockt werden. Auch die Rebstöcke in der Cannstatter Halde überlebten den Hagel nicht.

1973
Umstrukturierung von Weingut und Weinlagen

Das Weingut bewirtschaftet im Jahr 1973 rund 11,5 Hektar Rebfläche. Hierzu gehören die innerstädtischen Lagen in der Mönchhalde, am Hasenberg und an der Karlshöhe, außerdem die Flächen in der Cannstatter Halde unterhalb der städtischen Kelter, im Zuckerle und am Wolfersberg. Das Portfolio umfasste außerdem eine Parzelle im Untertürkheimer Altenberg. Von den 11,5 Hektar waren 1973 nur 6 Hektar in Bewirtschaftung. Rund 4 Hektar lagen brach, nicht zuletzt infolge des Hagels von 1972. Junganlagen umfassten 1,3 Hektar, 0,2 Hektar ging auf Bindeweiden. Nur der kleine Anteil Junganlagen war maschinell zu bearbeiten. Das Weingut beschäftigte zwei Angestellte und 19 Arbeiter.
Das städtische Weingut wird nun dem Liegenschaftsamt eingegliedert, der Rebveredlungsbetrieb wird aufgegeben. Die Rentabilität soll erhöht werden.

1974
Weine des städtischen Weinguts sehr beliebt

Der Sortenspiegel verteilte sich 1974 wie folgt: 3,54 Hektar Rotwein, hiervon 2,93 Hektar Trollinger, 0,2 ha Herold, 0,2 ha Portugieser, 0,13 ha Sankt Laurent, 0,05 ha Lemberger und 0,04 ha Muskattrollinger. 3,84 Hektar Weißwein, hiervon 2,45 Hektar Riesling, 1,23 Hektar Müller-Thurgau und 0,16 ha Kerner. Absatzprobleme gibt es nicht. 1974 und 1975 sind die Weine des städtischen Weinguts bereits innerhalb von 3 Monaten nach Verkaufsstart ausverkauft.

1975
Die Weinberge als charakteristische Stadtlandschaft

Eine Privatisierung des Weinguts wird nach wie vor diskutiert. Doch immer mehr rücken Aspekte der Landschaftspflege in den Vordergrund. Aufgabe des städtischen Weinguts ist es, das Charakteristische an Stuttgarts Stadtlandschaft zu erhalten. Man geht davon aus, dass das städtische Weingut künftig weitere Weinberge aus Privatbesitz in seine Obhut nehmen muss, wenn die Eigentümer sie nicht mehr bewirtschaften können.

1976
Terrassen- und Direktzugflächen im ausgeglichenen Verhältnis

Die Fläche beträgt nun 12,6 Hektar. Das Verhältnis zwischen Mauerweinbergen (6,1 ha) und maschinell zu bearbeitenden Rebflächen (6,5 ha) ist nun ausgeglichen. 7,5 Hektar stehen bereits im Ertrag, 3,4 Hektar sind Junganlagen, 1,7 ha Brache. Das Personal wird reduziert auf einen Angestellten und acht Arbeiter. Ziel ist es, bis 1979 die gesamte Fläche in Ertrag zu bringen. Eine wichtige Rolle kommt dem Weingut als einer von zwei Ausbildungsbetrieben in Stuttgart zu. Der städtische Eigenbetrieb bietet jungen Leuten vier Ausbildungsplätze für den Winzerberuf.

1989- 1993
Die neue Weinsteige wird übernommen

Die Stadt übernimmt Weinberge in der Wernhalde oberhalb der Weinsteige, die von den bisherigen Eigentümern nicht mehr bewirtschaftet werden können. Anfang der 1990er Jahre werden sie für 1,6 Millionen DM saniert und neu bepflanzt.

2010
Mediterrane Sorten auch in Stuttgart

Die klimatisch begünstigte Innenstadtlage machts möglich: Im Weinberg am Hasenberg werden 2010 Syrah-Reben gepflanzt. Die ursprünglich aus dem nördlichen Rhônetal stammende Rebsorte gedeiht prächtig in Stuttgart. Stuttgart ist offen für internationale Rebsorten.

2014
Mit gewagter Rotweincuveé zum Erfolg

Die 2011er Rotweincuvée Mönch Ulrich holt beim Weinwettbewerb Mundus Vini Großes Gold. Die gleichzeitig innovative und traditionsbewusste Cuvée besteht zu je einem Drittel aus jungen Syrah-Trauben vom Hasenberg, dem 1955 gepflanzten St. Laurent in der Mönchhalde und alten Spätburgunder-Reben aus der Lage Bergheide an der Prag.

2016
Neuausrichtung des Weinguts

Mit dem Jahr 2016 beginnt eine Neuausrichtung des Weinguts. Die Trollingerrebfläche wird zu Gunsten von weiteren internationalen Rebsorten verkleinert. Das Verhältnis von Weiß-zu Rotweinreben ist ausgeglichen und die Weine werden streng nach Lagen vinifiziert. Mit dem 2016er Kirchbuggl Riesling kommt der erste spontanvergorene Weißwein auf die Karte. Das Weingut soll wieder in aller Munde sein, der Pop Up Store in der historischen Calwer Passage ist der Anfang einer neuen und kreativen Vermarktungsstrategie. Der komplette Verzicht auf Glyphosat ist nur der Anfang, das Weingut wird in Zukunft biologisch bewirtschaftet.

2020
Hier und Jetzt und in Zukunft…

Das Weingut der Stadt Stuttgart schreibt Geschichte.

Alle Bildrechte: © Weingut der Landeshauptstadt Stuttgart

Skip to content