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#1 – Biologische Bewirtschaftung und damit verbundene Aufgaben

Seit dem Beginn der Umstellung des ganzen Weinguts ab August 2016, die auch eine Veränderung des Sortenspiegels und des Ausbaustils beinhaltete, wurde die Machbarkeit der biologischen Bewirtschaftung geprüft. Nach dem Verzicht auf Herbizid (ab 2017) und dem daraus resultiernden Mehraufwand, war der erste Schritt in diese Richtung schon vollbracht. Nach der endgültigen Härteprüfung dieses Jahr wird sich das städtische Weingut im August diesen Jahres Bioland anschließen und mit den drei offiziellen Umstellungsjahren beginnen.

Wichtig für mich ist, in diesem Zusammenhang noch einige, in letzter Zeit, immer wieder aufkommende Fragen zu beantworten. Zuerst muss allen klar sein, dass biologische Bewirtschaftung nicht den vollständigen Verzicht auf Pflanzenschutz bedeutet. Selbst bei der biodynamischen Bewirtschaftung werden Pflanzenschutzmittel verwendet. So wird in diesem Bereich mit Belagsmitteln statt mit systemischen Mitteln (Wirkstoffe welche von der Pflanze aufgenommen werden und so leichter auch den Zuwachs schützen) gearbeitet. Es geht um ein ganzheitliches Umstellen der Weinberge. Jeder, der unsere Flächen kennt, wird dies bemerkt haben. Um nur einige Veränderungen zu nennen, wird neben der mechanischen Unterstockbearbeitung nur jede zweite Fahrgasse gemulcht und jede andere Fahrgasse steht für eine komplexe Saatmischung zu Verfügung, die lediglich gelegentlich durch Walzen in ihrem Wuchs eingeschränkt wird. Eine Verbesserung des Bodenlebens und der Bodenstruktur, sowie eine Steigerung der Biodiversität ist die Folge. Dazu kommt ein späteres Wipfeln der Reben um auf natürliche Weise die Kompaktheit der Trauben zu verringern und Fäulnis entgegen zu wirken. Somit kommen große Veränderungen auch auf die Nachbarn der Anlagen und den Betrachter zu. Ein vermeintliches „weniger“ an Ordnung und eine Verschiebung der Arbeitszeiten nach den Vorgaben der Natur. Dazu sollte man wissen, dass die Natur selbst nicht im Geringsten nach Ordnung strebt und ein Golfplatzrasen neben der Monokultur Rebe schlicht sinnlos ist. Zwar wirkt ein häufiges Wipfeln und Mulchen eventuell beruhigend und schön, ist aber aus fachlicher Sicht nicht anzustreben. Man muss sich hier auch vor Augen führen, dass das Hauptziel die Produktion von Trauben zur Herstellung von Wein ist und nicht Landschaftsgärtnerei. Außerdem sollte die Schönheit einer hohen blühenden Begrünung mit allen ihren Vorteilen auch nicht außer Acht gelassen werden. Lassen Sie es einfach auf sich wirken. Diese Veränderungen werden sich auch in unseren Produkten positiv bemerkbar machen.

Abschließend muss ich festhalten, dass dieser Schritt eine Aufwands- und Risikosteigerung darstellt und nur dank eines extrem motivierten Teams, welches Tag und Nacht mit viel Idealismus für den Betrieb da ist, umsetzbar ist. So bitte ich Sie zu berücksichtigen, wenn zu ungewohnten Zeiten Ihre Ruhe in der Nähe einer unserer Weinberge gestört wird, dass die Natur und überraschende Wetterumschwünge uns solche Schritte vorgeben. Nicht ein Mangel an Organisation, sondern eine tatsächlich an der Natur orientierte Bewirtschaftung ist die Ursache für alle unsere Schritte. Bevor Sie sich schwarz ärgern oder uns mit „gelben Karten“ bewerfen, kommen Sie bitte einfach mit Ihren Fragen oder Kritik auf uns zu, wir gehen gerne auf Ihre Anregungen ein. In diesem Sinne freue ich mich auf eine weiterhin gute Nachbarschaft mit allen Stuttgartern und den Besuch durch interessierte Weintrinker und Hobbygärtner.

Timo Saier

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