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#0 – 2020 läuft!

Herzlich willkommen in der Rubrik „Durch das Jahr“. Das Weinjahr ist lang, naja, eigentlich hat es auch nur 365,25 Tage. Aber in einem Jahr passiert im Weinberg und im Keller sehr viel. Das Gerücht, dass ein Winzer nur während der Weinlese etwas zu tun hat und es sich während des Rest des Jahres gemütlich machen kann und Viertele schlotzen stimmt so nicht. Im Jahresverlauf gibt es immer etwas zu tun und der Weinberg braucht immer Aufmerksamkeit. Es heißt, dass 80% der Weinqualität im Weinberg entstehen, die restlichen 20% holt am Ende der Kellermeister raus.

Die Reihe „Durch das Jahr“ nimmt dich mit in den Weinberg und den Keller. Das Jahr 2020 ist schon in vollem Gange. Die aktuell frühlingshaften Temperaturen signalisieren auch den Reben, dass es bald losgeht. Und dafür muss es das Team des Weingutes gut darauf vorbereiten. Die Reben, o.k., der Winzer auch, hatten nur im Winter eine kurze Pause. Die Rebe ist eine rankende Pflanze. Eigentlich würde sie, wenn der Mensch nicht eingreift, an Bäumen, Hecken oder auch am Fenstersims hoch wachsen und so ums Überleben kämpfen. Der Winzer zwingt die Rebe in eine unnatürliche Form, macht ihr es aber dadurch leichter zu wachsen und natürlich auch hervorragende Trauben zu erzeugen. Der Grundstein des neuen Jahrgangs 2020 wurde gelegt, indem die Reben zurückgeschnitten wurden. Das mehrjährige Holz wurde entfernt und die Reben werden nun Halbbogen erzogen. Dann, wenn die Knospen die ersten Triebe frei lassen geh es darum, die Laubwand zu erziehen. In dem Raum, den der Winzer der Rebe zum wachsen gibt muss darauf geachtet werden, dass nicht zu viel aber auch nicht zu wenig Laub wächst. Sonneneinstrahlung, Schatten, Feuchtigkeit, und viele weitere Faktoren müssen beachtet werden. Natürlich ist die Rebe, und auch der gesamte Weinberg ein Angriffspunkt für Krankheiten. Diese können sich, wenn nicht dementsprechend behandelt schnell ausbreiten und sowohl die Qualität, als auch die Erntemenge stark beeinflussen. Leider meistens negativ. Die Achtung der Natur und das Gleichgewicht der Ökologie ist dabei sehr wichtig. Viele Gräser, Kräuter, Blumen und sonstige Gewächse sind gut für den Weinberg, da sie natürlich auch eine Heimat für nützliche Insekten bieten oder Einfluss auf den Wasserhaushalt des Bodens haben. Wenn das Grün zwischen den Reben dann aber doch zu viel wird, dann muss man auch dort einschreiten. Zu hohes Gras kann zum Beispiel dazu führen, dass schadhafte Pilze, welche eigentlich nur in Bodennähe zu finden sind, schneller und einfacher an die Weinblätter schaffen.

Sobald die Rebe dann beginnt die Trauben zu bilden spürt man, dass es nun so langsam zur Sache geht. Die Faustregel besagt, dass man den Zeitraum zwischen Blüte und der Weinlese mit 100 Tagen beziffern kann. Bis dahin ist schon viel passiert, aber bis es dann zum finalen Wein kommt ist es noch ein sehr weiter Weg.

Wenn es so weit ist, dann geht es so richtig ab im Weinberg. Unterschiedliche Rebsorten werden zwar auch zu unterschiedlichen Zeitpunkten reif, aber wenn der richtige Zeitpunkt zur Ernte festgelegt ist, dann muss es schnell gehen. Bei einem sonnigen und trockenen Herbst verändern sich die Trauben jeden Tag. Natürlich möchte man für jeden einzelnen Wein das beste raus holen. Also ist es wichtig, dass z.B. die Trauben für die Sektproduktion etwas früher gelesen werden, damit sie eine extra Schuss mehr Säure behalten. Beim Sauvigon Blanc kann man in den letzten Tagen die Laubwand entfernen und den Trauben noch ein Sonnenbad gönnen. Dadurch entstehen andere Aromen als wenn sie durchgängig beschattet sind.

Sind die Trauben dann endlich an der Kelter angelangt wird der Traube das abverlangt, woraus sie das ganze Jahr hingearbeitet hat. Der Most wird gepresst, die roten Trauben liegen auf der Maische und die Stahltanks sind auf Hochglanz gebürstet. Während der vorangegangene Jahrgang 2019 bereits im Keller schlummert und teilweise auf seine Füllung in die Flaschen wartet bringt der neue Jahrgang wieder Karacho in die dunklen Räume. Das Blubbern in den Gärröhrchen ist Musik in den Ohren von Winzer, Kellermeister, und dem gesamten Team des Weingutes der Stadt Stuttgart.

Und während ein Teil noch diesen Klängen lauscht ist der andere Teil schon wieder unterwegs und bereitet den nächsten Jahrgang vor.

Ein Weinjahr lässt sich nicht in so einem kurzen Artikel zusammen fassen. Deswegen erscheinen hier regelmäßig neue Kurzgeschichten.

Kommt mit auf die Reise „durch das Jahr“.

Nächste Kurzgeschichte der Reihe „Durch das Jahr“:

#1 – Die Ernte 2019
Nach der Ernte ist vor der Ernte. Wie war die Qualität der Trauben 2019 und welche Erwartungen haben wir 2020.

 

 

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